Rockharz 2023

Auf dem nördlichen Harze, zwischen Blankenburg und Quedlinburg, siehet man südwärts vom Dorfe Thale eine Felsenfläche, die das Volk „des Teufels Tanzplatz“ nennt und nicht weit davon Trümmer einer alten Mauer, denen gegenüber nordwärts vom Dorfe sich ein großes Felsenriff erhebt. Jene Trümmer und dieses Riff nennt das Volk „Teufelsmauer“(Auszug Wikipedia)

„Des Teufels Tanzplatz“ ist der perfekte Begriff für das Rockharz 2023, das dieses Jahr vom 05.-08.Juli an der Harzer Teufelsmauer im Ballenstedter Ortsteil Asmusstedt stattfand. Am Fuße des großen Gegensteines trafen sich knapp 25.000 Rock- und Metalfans auf dem Acker am Flugplatz. In diesem Jahr wurde der Campground zwar im Vergleich zu den Vorjahren erweitert, doch mussten spontan weitere Flächen ausgewiesen werden. Der Wettergott meinte es zu gut mit dem Rockharz, spätestens am Freitag und Samstag war die Sonne am wolkenlosen Himmel bei knapp 30°C sehr anstrengend und raffte in Verbindung mit Alkohol einige Metalfans dahin. Über das gesamte Wochenende waren die Eisstände die beliebtesten Verkaufsbuden, die Länge der Warteschlange wurde nur vom Merchstand getoppt.

Das Thema Inklusion ist den Verantwortlichen extrem wichtig. Man merkt an allen Ecken, dass es nicht nur ein Thema ist, das durch Rampen abgehandelt wird. Es werden sich beim Rockharz ernsthaft Gedanken darüber gemacht, wie man Menschen mit Beeinträchtigungen den Festivalbesuch ermöglichen kann. Die Verantwortlichen sind in regem Austausch mit Betroffenen, um für alle die größtmögliche Barrierefreiheit schaffen zu können, hierbei geht es auch nicht „nur“ um die Rollifahrer. Das Infieldnahe Inklusionscamp wurde im Vergleich zu den Vorjahren deutlich erweitert (2 ½ fache Größe), es gab eine eigene Rezeption, die rund um die Uhr besetzt war, das Team der Lebenshilfe Braunschweig war mit 24 Personen vor Ort, um zu jeder Zeit unterstützend Pflegedienstleistungen anbieten zu können. Die eigenen Dusch-/ und Toilettencontainer erleichterten den Aufenthalt enorm. Durch die Zusammenarbeit des RHZ mit einem ortsansässigen Sanitätshaus (Werner & Habermalz) war der Reperaturservice und Hilfsmittelverleih für den Notfall sichergestellt. Das Inklusionsteam des Rockharz steht den Betroffenen jederzeit zur Verfügung.

Die Preise auf dem RHZ sind im Vergleich zu anderen profitorientierten Festivals wirklich sehr fair. 0,4L Cola kosteten 4€, Bier ebenfalls, der Becherpfand wurde nur mit 0,50€ berechnet, im Gegensatz zu den Vorjahren waren sogar die Spültoiletten frei, nur die Duschen wurden über Wertmarken bezahlt. Auch die Preise an den Essensständen waren im Vergleich zu anderen Veranstaltungen wirklich in Ordnung.

Rock`n´Recycle ist das Motto unter dem das örtliche Gymnasium (Wolterstorff-Gymnasium) am Ende des Festivals verwendbare Gegenstände wie zum Beispiel Schlafsäcke, Decken, Zelte und ungekühlt haltbare Lebensmittel sammelte, um sie im Anschluss an das RHZ-Wochenende der Tafel, der Bahnhofsmission Halberstadt und dem Quedlinburger Tierheim zu übergeben.

Schon seit 10 Jahren wird die Aktion „Glück in Dosen“ auf dem Rockharz durchgeführt, mittlerweile handelt es sich hierbei um einen eigenen Verein. Ehrenamtliche Helfer sammelten über die Festivalzeit Pfanddosen und -flaschen vom Gelände, mit dem Erlös werden regionale Projekte im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit gefördert. In den vergangenen Jahren konnte bereits eine Spendensumme von über 100.000€ generiert werden.


1.Festivaltag, Mittwoch 05.Juli
Der erste Festivaltag begann am Mittwoch um 15:30 Uhr mit „Würdiger Auftakt“. Natürlich war die Spannung riesig, wer das Rockharz zum 30jährigen Jubiläum eröffnen würde, dieses übernahmen Eric Fish & Friends. Der Auftritt begann mit dem Song The Bard´s Song, als Special Guest unterstützte Hansi Kürsch, der Sänger von Blind Guardian. Dies war ein Moment der Ruhe, Gänsehaut und Vorfreude auf die kommenden Tage.

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Es folgten noch viele ergreifende Songs, die sich im ganzen Tal ausbreiteten.

Den ersten Festivaltag komplettierten Kneipentouristen, Exhorder, Tanzwut, Letzte Instanz, Angus MC Six, Battle Beast, As I Lay Dying, Mono Inc, Blind Guardian und hinter dem angekündigten Surprise Act ab 0:30 Uhr versteckte sich Knorkator. Knorkator waren keine wirkliche Überraschung, viele Besucher hätten sich den ersten Festivalauftritt von „Oomph!“ mit ihrem neuen Sänger Daniel Schulz gewünscht. Daniel Schulz ist als Frontmann von der „Unzucht“ und seinem Soloprojekt „Der Schulz“ sehr bekannt. Die Unzucht hatte auf dem diesjährigen Rockharz ebenfalls am Donnerstag ihren Auftritt. Im letzten Jahr waren sie für einen Slot gebucht, damals übernahm „Der Schulz“ nach einer kurzfristigen Coronaerkrankung eines Bandmitgliedes den Slot und spielte spontan mit seinem Soloprojekt.

Die US-amerikanische Metalcore-Band As I Lay Dying hat wirklich Pech gehabt, durch Chaos beim Flug waren ihre Instrumente nicht mit nach Ballenstedt transportiert worden und von ihrem geplant 1stündigen Auftritt konnten nur 5-6 Songs in den verbliebenen knapp 25 Minuten gespielt werden.

Mono Inc war wieder ein Highlight. Unter anderem mit Wir sind die Raben, Princess of the night, Lieb mich, Voices of the doom, Arabia und der Mutter aller Metalballaden Mein Gott Walter überzeugten die Hamburger Dark-Rocker alle Anhänger der Gothic- und Mittelalterszene.


Der Headliner des ersten Tages war natürlich Blind Guardian. In 35 Jahren Bandgeschichte entstanden bis jetzt 12 Studioalben der deutschen Metal-Band. Laut eigener Aussage spielt die Band in ihrer eigenen Speed/Thrash/Bombast-Metal-Liga. Mit The Bard´s Song haben die Männer der Krefelder Band rings um Hansi Kürsch eine Hymne erschaffen, die erstmals auf ihrem 4. Studioalbum Somewhere far beyond (1992) erschien und sich bis jetzt auf weiteren Alben, teilweise als Livemitschnitt wiederfindet. Mit diesem Song wird man extrem reduziert in eine ganz eigene Welt entführt und der Song sorgt immer wieder für Gänsehautfeeling.



Festivaltag 2, Donnerstag 06.Juli
Die ersten Plätze im Timetable waren mit Infinitas, Delta Bats, How we end und Kris Barras Band gefüllt. Mit The Dark Side of the Moon fand für die Band und für die Fans eine Festivalpremiere auf dem Rockharz statt. Die Symphonic-Metal-Band wurde erst während der Coronapandemie im Rahmen einer Wette gegründet und besteht aus namhaften Künstlern der Szene. Der erste Song der Band war die Coverversion von Jenny of Oldstones aus der Game of Thrones Reihe. Napalm Records gefiel die Version so gut, dass sie die Band für ein komplettes Album unter Vertrag nahmen. Ein Großteil des Repertoires der Band besteht noch aus Coversongs aus der Fantasyfilm-, Serien- und Videospielwelt, doch auch Eigenproduktionen, zum Beispiel The Gates Of Time und New Horizons vom Debütalbum Metamorphosis begeisterten die Massen. Der Band den Status als Newcomer zuzuschreiben, fällt einem auf Grund der Bekanntheit und Souveränität der Musiker allerdings ziemlich schwer.

Der 2. Festivaltag hatte es wirklich in sich und das Line-Up war grandios. Nach The Dark Side of the Moon traten die Unzucht, Tribulation, Fiddler´s Green, Mr. Hurley & die Pulveraffen, Die apokalyptischen Reiter, Hämatom, Paradise Lost, Feuerschwanz, In Flames, Skáld und Onslaught auf.
Die karibischen Piraten aus Osnabrück beispielsweise heizten den Fans mit Tortuga, Unser Untergang, Mann über Bord, Hol uns der Teufel, Santa Sangria und einem Medley aus weiteren Pulveraffen-Songs ein. Selbstverständlich gehörte zur Setlist für das Rockharz auch der neueste Song Leuchtturm vom gleichnamigen Album, das am 1.September diesen Jahres veröffentlicht wird. Die dazugehörige Tour findet ab Herbst 2023 statt.


Die apokalyptischen Reiter sind die Band mit den zweithäufigsten Auftritten auf dem RHZ und lieferten wie gewohnt ab. Spannende Zeiten stehen der Band aufgrund von Wechseln an der Gitarre und dem Schlagzeug bevor, aber die Geschichte der Band ist noch nicht zu Ende erzählt, also sind wir gespannt wie es weiter geht. Zu Songs wie Der Adler, Die Sonne und Reitermania schoben sich unzählige Crowdsurfer nach vorn, nach Aufforderung durch Sänger Fuchs wurden diese sogar sicher in die Luft geworfen. Der Song Auf und Nieder ist bei Liveauftritten ein Brett und wird bei jedem Konzert und Festival funktionieren, auch wenn das dazugehörige offizielle Musikvideo nicht das widerspiegelt, was die meisten Fans der Band zu dem Song denken, aber Zweideutigkeit regt ja bekanntlich die Fantasie an.


Kann man sich eigentlich bei einem Festivalveranstalter beschweren, wenn es zu viele gute Akts gibt? Bei dem Line-Up am Donnerstag fanden wir gar nicht die üblichen Pausen, in denen man mal zum Camp zurück gehen konnte, oder sich in Ruhe etwas zu Essen und Trinken kaufen konnte :-) .

Die Shows von Hämatom und Feuerschwanz sorgten für ein gleichbleibendes Stimmungslevel. Die Setlist von Hämatom war volle Richtung auf Party ausgelegt, unter anderem mit Ihr wisst gar nichts über mich, Gaga, Eva, Wir sind Gott, F**icken unsren Kopf (im Original mit den 257ers) und dem Trailerpark-Cover Bleib in der Schule. Der Metal Fight Club Song Es regnet Bier war der abschließende Song von Hämatom am diesjährigen Wochenende auf dem Rockharz. Auch bei diesem Song hat sich Alea der Bescheidene von Saltatio Mortis auf die Bühne geschummelt und die Männer von Hämatom bei dem Song unterstützt, der nur durch den Fight zwischen Saltatio Mortis und der deutschsprachigen Metalband zustande gekommen ist. Ehrlich gesagt können wir gar nicht sagen, wie oft Alea außerhalb vom Auftritt seiner eigenen Band auf der Rock- und Darkstage als Support aufgetreten ist, aber es war schon wirklich einige Male. Er ist halt nicht nur ein Musiker der für dieses Festival gebucht wird, sondern auch ein Fan des Rockharz Open Air. Wenn es sein Terminkalender zulässt, kann man ihn das gesamte Wochenende auf dem Flugplatz in Ballenstedt antreffen.


Feuerschwanz lieferten, wie zu erwarten war, eine grandiose Show mit Songs wie Memento Mori, Untot im Drachenboot, Ultima Nocte, Schubsetanz, Das elfte Gebot, Dragostea Din Tei und Bastard von Asgard. Ein Highlight des Tages war für uns der Song Warriors of the World, denn dieser Song konnte mit Melissa Bonny und Alea dem Bescheidenen gemeinsam performt werden, da beide mit ihren Bandprojekten ebenfalls auf dem Rockharz vertreten waren und sich noch, beziehungsweise schon, vor Ort befanden.


Festivaltag 3, Freitag 07.Juli
Am Freitagmorgen um 10 Uhr fand vor dem Eingang zum Infield die freie Trauung von Jenny Wymbs und Marius Wollin statt. Die Beziehung der Beiden ist eng mit dem Rockharz verbunden, vor 4 Jahren lernten sie sich auf dem RHZ kennen, im letzten Jahr folgte ebenfalls auf dem Festival die Frage aller Fragen. Die Traurednerin dankte zurecht den Verantwortlichen, das diese besondere Trauzeremonie am Fuße der Teufelsmauer durchgeführt werden konnte.


Der Planet brennt, schon ab Vormittags sind alle Schattenplätze belegt und man findet kaum einen Ausweg aus den sengenden Sonnenstrahlen. Den Hinweis mit viel Trinken beherzigen fast alle Festivalbesucher, einige haben allerdings den Hinweis „nicht nur Alkohol“ überhört und so besteht die primäre Aufgabe für den Sanitätsdienst spätestens ab Freitag vor allem in der Behandlung von Sonnenstichen, Kreislaufbeschwerden und Personen mit übermäßigem Alkoholkonsum. Vielen Dank an die Grabenschlampen, die die Menge vor der Bühne durch den Sprühstrahl eines Mehrzweckstrahlrohres regelmäßig versucht haben abzukühlen.


Die Musik aus den Lautsprechern kam einem, vielleicht auch durch das veränderte Wetter, deutlich lauter und basslastiger vor.
Die Bühnen wurden an diesem Tag durch Children of grotesque, The Legion Ghost, Null Positiv, Rauhbein, All for Metal, Burning witches, Bloodbound, Septicflash, Destruction, Equilibrium, Sonta Arctica, Versengold, Korpiklaani, Airbourne, Arch Enemy und Firkin bespielt.

Die deutsche Metalband Null Positiv, rings um Frontfrau Elli Berlin, hat bisher 3 Alben veröffentlicht (Krieger (2016), Amok (2018) und Independenz (2020)). Kurz vor der Coronazeit gewannen sie 2019 den Newcomer-Wettbewerb auf dem Hildesheimer Merá Luna Festival und haben jetzt mit Töte was du liebst einen gemeinsamen Song mit KrawallBrüder produziert. Auf den Auftritt von Null Positiv haben wir uns wahrlich gefreut, live gesehen haben wir die Band rings um Frontfrau Elli Berlin bereits Mitte April beim Albumrelease von Krawallbrüder in Hamburg und waren schon dort von der ersten Sekunde an begeistert. Die Sängerin hat einfach eine faszinierende Ausstrahlung und ihre Stimmgewalt ist beeindruckend. Mit dem ersten Song Freiheit hat die Band trotz der frühen Uhrzeit die Menge im Griff. Nach Friss dich auf, Turm der Angst, Koma, Kollaps und einigen anderen Songs übergaben die Musiker nach einer halben Stunde an die deutsche Folk-Rock-Band Rauhbein. Das neueste Album Herz eines Kriegers feierte an genau diesem Tag Albumrelease und die Wikinger spielten selbstverständlich unter anderem mit Herz eines Kriegers, Schrei es laut und Wir sind eins direkt Stücke von der neuen Platte. Nicht nur zu Auf die Freundschaft tanzten, hüpften und sangen die Menschen vor der Bühne. Die junge Band spielt eingängigen Folk-Rock mit starken irischen Einflüssen und wird ihre Fanbase in den nächsten Jahren sicherlich stark erweitern.

Die Geschichte der Band All for Metal ist bis jetzt ebenfalls recht kurz, aber vielversprechend. Mit Tetzel und Antonio Calanna sind in der Front der Band zwei erfahrene Sänger, bekannt durch die Bands Asenblut und DeVicious. Aus dem ersten Album Legends wurden unter anderem All for Metal, Raise your Hammer, Born in Valhalla und Legends never die gespielt. Der letzte Song wurde vor allem Dirk Lehberger gewidmet, er starb leider 3 Wochen vor dem Festival. Über 20 Jahre war er ein Freund und Weggefährte des Rockharzes und dort in seiner Funktion als Head of Booking und Artistproduction für alle Künstler und Bands zuständig. Das komplette Line-Up zum 30jährigen Jubiläum wurde durch seine Bookings zusammengestellt.


Den Abend leitete ab 19:35 Uhr Versengold ein.
Versengold ist eine Bereicherung für jede Veranstaltung, kaum eine andere Band kann Emotionen so wahnsinnig gut in Lyrics und Musik transportieren. Es finden sich unfassbar viele herzergreifende Songs auf den bisherigen 8 Studioalben, die Texte handeln oft von den Themen Freunde, Freude, Abschied und Feiern. Die Setlist für das Rockharz beinhaltete natürlich vor allem partytaugliche Songs, mit Außnahme von Haut mir kein´Stein und die letzte Runde. Der Opener Durch den Sturm ertönte nach dem Fall des Vorhanges ab 19:35 Uhr über das komplett gefüllte Infield. Im Folgenden wurden noch Niemals sang- und klanglos, Der Tag an dem die Götter sich betranken, Flaschengeist, Thekenmädchen und Kobold im Kopf gespielt. Bei Die letzte Runde standen Malte und Eike erhöht mitten im Publikum, hinter ihnen sank die Sonne immer tiefer Richtung Horizont. Die Bremer Band verabschiedet sich, mit dem Hinweis auf ihr diesjähriges 20-jährige Bandjubiläum und dem neuen Album, mit Butter bei die Fische von den Fans. Das Jubiläum von Versengold wird am 4.11.23 in der Barclays Arena gefeiert, das neue Album wird ab dem 3.11.23 erhältlich sein.


Festivaltag 4, Samstag 08.Juli
Während am Vormittag die meisten Festivalbesucher nach 3-4 Festivaltagen wie Zombies in Richtung Duschen und Toiletten strömten, darauf bedacht bei der Hitze nicht zu viel zu machen und nicht unnötig weite Wege hinter sich zu bringen, waren mehrere Gruppen mit sportlichen Menschen joggend auf dem Campground unterwegs. Chapeau! Wir haben uns „nur“ auf den Weg zur Teufelsmauer begeben, bewaffnet mit Wasser und waren froh, als wir auf dem Rückweg nach einer kurzen Trinkpause bei Freunden endlich wieder an unserem Camp angelangt waren.

Das Line-Up des letzten Festivaltages bestand aus Voodoo Kiss, Soulbound, A Life devided, Ohrenfeindt, Einherjer, Wolfheart, Wind Rose, Legion of the Damned, Moonspell, Lacuna Coil, Carcass, Life of Agony, Lord of the Lost, Saltatio Mortis, Amon Amarth und Phil Campbell & the bastard sons. Die Sonne legte im Vergleich zu den Vortagen erneut an Intensität zu, allerdings wehte am letzten Tag hin und wieder ein lauer Windhauch. Wieder waren die Eisstände an den längsten Warteschlangen auf dem Infield und Campground zu erkennen.

Lord of the Lost sind endlich wieder in gewohnten Gefilden angekommen. Ihr Ausflug zum diesjährigen ESC in Liverpool hat sie scheinbar keine Fanherzen gekostet, ganz im Gegenteil. Der Drummer Niklas Kahl, gebürtig aus der Nähe von Ballenstedt, hat genau vor 6 Jahren auf dem Rockharz sein Debüt bei Lord of the Lost gegeben und wurde vor Ort mächtig gefeiert. Die Dark-Rocker überzeugten unter anderem mit Full Metal Whore, Morgana, One Last Song, Drag Me To Hell und Dry The Rain. Ohne Frage warteten die Fans auf den mittlerweile bekanntesten Song der Band Blood and Glitter, dieser leitete den Abschluss des 60minütigen Auftrittes ein.


Nun wurde es heiß. Das ist keine Floskel und auch nicht im übertragenen Sinn gemeint. Der heimliche Headliner des Abends, Saltatio Mortis, betrat die Dark Stage. Die vielen Flammenwerfer, die bereits ab Samstagmittag aufgebaut wurden, deuteten bereits auf eine grandiose Feuershow hin. Die Brandsicherheitswache positionierte ihr Löschgruppenfahrzeug näher an der Bühne und schenkte dem Treiben der Pyrotechniker mehr Aufmerksamkeit als bei irgendeiner anderen Band. Der spaßige Kommentar der Techniker „Wenn wir alles richtig machen, steht die Bühne am Ende noch“ weckte die Neugierde. Der Kommentar war doch bestimmt als Spaß zu verstehen, oder? Mit Alive now, Dorn im Ohr und wo sind die Clowns startete der Gig. Wenn ein Sänger, vorallem Alea der Bescheidene, darum bittet, dass ab jetzt keine Crowdsurfer zu ihrer eigenen Sicherheit mehr nach vorne in den Graben kommen dürfen, wird es spannend. In der nordischen Mythologie gilt Loki als Gottheit des Feuers, Saltatio Mortis verwandelten die Bühne zu dem gleichnamigen Song in eine Welt aus Feuer und Flammen. Die Hitze der Flammenwerfer war weithin zu spüren und in dieser Dimension könnten es maximal die Pyrotechniker von Rammstein mit den Jungs von SaMo aufnehmen. Ein Vorteil von dem Klassentreffen auf dem Rockharz in diesem Jahr war, dass viele Künstler gemeinsam Songs performen konnten. Zu dem Song The Dragenborn comes betrat Cristina Scabbia von Lacuna Coil die Bühne und sie sangen den Song gemeinsam zu Ehren von Dirk Lehberger. Spielmannsschwur und Hypa Hypa vervollständigten das Set der Mittelalter-Rock-Band.


Zwischen den Auftritten von Saltatio Mortis und Amon Amarth nutzten die Veranstalter des Rockharzes die Gelegenheit zu einer Ansprache und um den Fans den Dank auszusprechen. In diesem Jahr war diese Rede besonders emotional. Während ein Großteil der Rockharzcrew und einige Bands im Hintergrund auf der Bühne versammelt waren, richtete Thorsten „Buddy“ Kohlrausch ergreifende Worte an das Publikum, vor allem rief er zum Gedenken an Dirk Lehberger, den Head of Booking und Kristin, die Küchenchefin des Artist-Caterings auf. Dirk starb plötzlich und unerwartet 3 Wochen vor dem Festival und Kristin starb während des Festivals am Freitagvormittag bei einem Verkehrsunfall. Während der folgenden Stille gingen zig tausende Feuerzeuge und Handylichter an und leuchteten den beiden entgegen.

Nun übernahmen die Wikinger von Amon Amarth, dem Headliner des Abends, mit Songs wie Guardians Of Asgaard, The Great Heathen Army, Death In Fire und Heidrun. Ihre Pyroshow war wie immer exzellent und mit Phil Campbell & The Bastard Sons endete das 30jährige Jubiläum des Rockharz Open Air in Ballenstedt.


Auch wir sagen „Danke“ an die gesamte Rockharz Open Air- Familie, ein riesiger Dank geht natürlich auch an alle Kräfte der örtlichen Feuerwehr, der DLRG und des Malteser Hilfsdienstes mit ihren über 100 Einsatzkräften, die hunderte Dienststunden für die Jubiläumsausgabe des RHZ geleistet haben.

Der Vorverkauf für eines der besten Festivals Deutschlands für das Jahr 2024 hat bereits begonnen, alle weiteren Informationen sind unter folgendem Link https://shop.rockharz-festival.com/ zu finden.


Es war ein tolles Fest unter Gleichgesinnten und wir freuen uns schon voller Vorfreude auf das Rockharz Open Air 2024 vom 03.-06. Juli.


Fotos vom Rockharz Open Air 2023 findet ihr hier in unserer Galerie.


See you at the Devil´s Wall!





Bilder: Jerome Jakob
Text: Maren Jakob
Veröffentlicht: 15.07.2023