Böhse Onkelz – 07.09.2022 ZAG-Arena Hannover


Am 07.September fand das erste von zwei Konzerten der Onkelz in der hannoverschen ZAG-Arena auf dem Messegelände statt. Natürlich ist auch diese Tour zur Originalzeit Corona zum Opfer gefallen und wird jetzt in 2022 nachgeholt. Die Halle war vom Innenraum bis zum Oberrang gut gefüllt und die Fans der Onkelz feierten den Abend ausgiebig von Anfang bis Ende und das Bier floss in Strömen. Mittlerweile hat die erfolgreichste Deutschrock-Band des Landes 42 Jahre Bandgeschichte auf dem Buckel.

Durch die lange Bandgeschichte sammeln sich auch vor der Bühne verschiedene Generationen an Onkelz-Fans, von den Fans der ersten Stunde bis zur Generation Z, die ihre Begeisterung erst seit der Reunion entdeckt haben. Auch die Outfits sind bunter geworden, vom klassichen schwarzen Onkelz-Shirt mit Stiefeln, bis hin zu hellen Poloshirts mit Sneakern war alles vertreten.

Die Show hat gut geklappt, ein gewohnt gutes Bühnenbild. Tolle Lichttechnik beleuchtete die Arena, der verantwortliche Lichttechniker scheint alles an Scheinwerfern zu kaufen, was er bekommen kann. Der Bühnenaufbau ist wirklich gut und uns haben natürlich die Videowalls begeistert, auf diesen wurde jeder Song unterschiedlich choreografiert.



Der Auftritt der Böhsen Onkelz war mit knapp 2 ½ Stunden echt lang, natürlich wurden vor allem die bekannten, teils recht alten Onkelz Songs gespielt, fehlen durfte selbstverständlich auch nicht „der nette Mann“, direkt am Anfang der Show. Die Indizierung des Songs wurde erst vor knapp drei Jahren aufgehoben, das gleichnamige Album und zugleich erste Studioalbum der Onkelz, erschienen im Jahr 1984, ist noch immer als jugendgefährdend und gewaltverherrlichend eingestuft.



Der Abend führte die Fans durch die Geschichte der Band, mit Songs wie „So sind wir“, „Wir ham noch lange nicht genug“, „Nichts ist für die Ewigkeit“, „Das ist mein Leben“ oder „Kirche“. Zeitweise bildeten sich in der vorderen Hälfte des Innenraumes fünf bis sechs Pogos. Dafür sorgten natürlich auch Songs wie „Keine Amnesty für MTV“ und „VIVA LOS TIOS“. Für Entschleunigung und zum Nachdenken wurden immer wieder auch ruhigere Songs gespielt. Besonders die Songs „Der Himmel kann warten“, „Erinnerungen“, „Auf gute Freunde“ und natürlich „Nur die Besten sterben jung“, eine Homage an den Mord von Trimmi im Juni 1990. Diese Tat hat so viel mit der Band angestellt, einiges wurde in Songs verarbeitet, aber vieles haben die Bandmitglieder mit sich selbst ausgemacht. Vor allem die Geschichte rings um Kevin Russell, mit starker Drogenabhängigkeit, Gefängnisaufenthalten, Unfällen und einem Leben das sich schon weit über den Abgrund gelehnt hat, hätte vielleicht nicht ganz so extrem ausgesehen.

Eines muss man der Band auf jeden Fall lassen, mit „Der W“ haben sie jemanden, der nicht nur Bassist, Sänger und Songwriter ist, sondern auch jemanden, der mit Worten und Erzählungen extrem emotional durch den Abend der Show führt und für viele Gänsehautmomente sorgt.

Natürlich gibt es wohl kaum eine andere Band, die so umstritten ist, wie die Onkelz, sei es die politische Ausrichtung, vor allem in den Anfangsjahren der Band, die ganzen Eskapaden rings um Kevin, die angesprochenen Themen in den Songs und das Deutsch-Rock ja eh immer skeptisch beäugt wird. Das nächste Thema ist natürlich immer noch, dass viele Fans von früher den Onkelz ihre große Verabschiedung mit dem Abschiedskonzert mit 120.000 Fans im Jahre 2005 am Lausitzring und ihre recht schnelle Reunion nur 9 Jahre später noch immer übelnehmen. Erst nach dem Ende der Übermacht durch die Onkelz konnte die Deutsch-Rock-Szene wachsen und neue Bands hervorbringen und alleine dafür war das Jahrzehnt der musikalischen Stille rings um die Böhsen Onkelz vielleicht sogar ein Gewinn für die Musikrichtung.



Man sollte immer im Leben Aussagen, Texte und Taten hinterfragen und niemals blind alles akzeptieren und nachreden, aber es sollte auch immer die Möglichkeit einer 2. Chance gegeben werden und niemals sollten Menschen oder Bands ohne diese Chance verurteilt werden. Frei nach dem Motto „Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein“.

„Gleicher Ort, gleiche Band, aber 18 Jahre später“ war sicherlich für einige Fans im Vorfeld der Gedanke zu dem Konzert, denn vor 18 Jahren spielten die Onkelz in der damaligen Preussag-Arena, die Arena wechselte zwischendurch ihren Namen von der TUI-Arena zur ZAG-Arena, aber alles andere blieb und so durchlebten die Fans einen tollen Abend mit den Bösen Onkelz und selbst Skeptiker müssen zugeben, dass die Show wirklich gut war.

   


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Bilder: Jerome Jakob
Text: Maren Jakob
Veröffentlicht: 13.09.2022